Zum Inhalt springen

Auswahl & Einführung

Lastenheft für Software: Anleitung mit Vorlage

Im Lastenheft beschreibst du als Auftraggeber, was die Software leisten soll – nicht wie. Der Anbieter antwortet mit einem Pflichtenheft oder Angebot, das beschreibt, wie er es umsetzt. Ein gutes Lastenheft macht Angebote vergleichbar und spart Diskussionen nach Vertragsschluss.

Geschrieben von Dettingenstack-Redaktion

Aktualisiert am 02.11.2026 · 2 Min. Lesezeit

Illustration: Eine Personalleiterin schreibt Anforderungen auf ein großes Klemmbrett mit Skizzen.

Lastenheft und Pflichtenheft

Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber. Es beschreibt, was die Software leisten soll und unter welchen Bedingungen. Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer. Es beschreibt, wie er die Anforderungen umsetzt. Bei Standardsoftware ersetzt oft ein ausführliches Angebot das Pflichtenheft – das Lastenheft bleibt trotzdem die Grundlage, damit Angebote vergleichbar sind.

Ein Lastenheft lohnt sich ab dem Moment, in dem mehrere Abteilungen betroffen sind oder die Gesamtkosten einen fünfstelligen Betrag erreichen. Für ein kleines Tool reicht eine Seite mit Muss-Anforderungen.

Gliederung als Vorlage

KapitelInhalt
1. AusgangslageUnternehmen, Abteilungen, heutige Systeme, Probleme
2. ZieleWas soll nach der Einführung besser sein – messbar formuliert
3. ProzesseBeschreibung der betroffenen Abläufe, gern mit einfachen Ablaufskizzen
4. Funktionale AnforderungenWas die Software tun muss, priorisiert nach Muss, Soll, Kann
5. Nicht-funktionale AnforderungenNutzerzahl, Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Bedienung, Sprache
6. SchnittstellenAnbindung an Buchhaltung, DATEV, ERP, E-Mail, Anmeldung (SSO)
7. DatenübernahmeWelche Altdaten in welchem Umfang übernommen werden
8. Datenschutz und SicherheitServerstandort, AVV, Zertifikate, Zwei-Faktor-Anmeldung, Löschkonzept
9. Betrieb und SupportCloud oder eigener Server, Supportzeiten, Schulung
10. RahmenbedingungenBudget, Zeitplan, Ansprechpersonen, Angebotsform

Anforderungen prüfbar formulieren

Eine Anforderung ist gut, wenn sich später eindeutig sagen lässt, ob sie erfüllt ist. Schreib aus Sicht der Nutzerin oder des Nutzers und nenne Mengen und Bedingungen.

UnklarPrüfbar
„Gute DATEV-Anbindung“„Buchungen und Belegbilder werden monatlich an DATEV Unternehmen online übertragen, ohne manuellen Datei-Export.“
„Einfache Urlaubsplanung“„Beschäftigte beantragen Urlaub per App, die Führungskraft genehmigt per Klick, der Resturlaub ist für beide sichtbar.“
„Schnelles System“„Die Suche nach einem Kunden liefert bei 20.000 Datensätzen in unter zwei Sekunden ein Ergebnis.“

Muss, Soll, Kann

Halte die Muss-Liste kurz. Jede Muss-Anforderung schließt Anbieter aus – das ist gewollt, aber nur bei Dingen, ohne die du wirklich nicht arbeiten kannst. Typische Muss-Kriterien im deutschen Markt sind Datenhaltung in der EU, eine bestimmte DATEV-Schnittstelle oder die Erfüllung gesetzlicher Pflichten wie E-Rechnung oder Zeiterfassung.

Datenschutz gehört hinein

Schreib Datenschutzanforderungen ins Lastenheft, nicht erst in die Vertragsverhandlung: Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, Serverstandort, Subunternehmer, Löschfristen, Datenexport am Vertragsende. Die passenden Fragen stehen im DSGVO-Check für Software.

So setzt du das Lastenheft ein

  1. 01

    Mit den Fachbereichen schreiben

    Nicht allein in der IT oder Geschäftsführung – die Nutzer kennen die Ausnahmen.

  2. 02

    An die Longlist schicken

    Fünf bis acht Anbieter, mit Frist und Antwortformat.

  3. 03

    Antworten vergleichen

    Erfüllungsgrad je Anforderung, Aufwand für Anpassungen, Gesamtkosten.

  4. 04

    Demo mit eigenen Fällen

    Die drei besten Anbieter zeigen deine Fälle live.

  • Ziele messbar formuliert
  • Anforderungen nummeriert und priorisiert
  • Schnittstellen und Datenübernahme beschrieben
  • Datenschutz und Sicherheit als eigenes Kapitel
  • Antwortformat und Frist für Anbieter festgelegt
  • Budgetrahmen und Zeitplan genannt

Wie du aus den Angeboten die Gesamtkosten ermittelst, steht in Software-Kosten richtig kalkulieren.

Quellen

  1. [1]EUR-Lex: Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung). Abgerufen am 02.11.2026.

Weitere Ratgeber

Illustration: Viele Systemkarten fallen in einen Trichter, unten kommt eine passende Lösung heraus.

Auswahl & Einführung

ERP-Auswahl in 7 Schritten

Ein ERP-Projekt bindet dich für Jahre. Sieben Schritte von der Prozessaufnahme über die Shortlist bis zum Vertrag – mit typischen Fehlern und einer Checkliste.

2 Min. Lesezeit

Newsletter

Einmal im Monat: neue Tests, Preisänderungen, ehrliche Empfehlungen.

Mit der Anmeldung erhältst du einmal im Monat unseren Newsletter. Abmeldung jederzeit über den Link in jeder E-Mail. Datenschutzerklärung